Feuer im achten Stock (Bremerhaven)

8. Februar 2010 von rauskucker

Bei uns hat es gebrannt. Nachts um halb eins klingelt die Polizei das ganze Haus wach, aufgeregt stellen meine Nachbarn und ich fest, daß zwei Stockwerke unter uns Flammen aus einem Fenster schlagen, draußen ist alles voll Qualm. Aus meiner Sicht zum Glück, ist es auf der anderen Seite des Hauses.

Kurz darauf kommen die Polizisten bei uns an (die Fahrstühle sind bereits außer Betrieb), hämmern an die Türen und teilen Jedem mit, daß wir uns warm anziehen und dann das Haus verlassen sollen. Rollstuhlfahrer werden hinuntergetragen. Ich habe mir in zwei Minuten was übergezogen und laufe dann auch runter, auf der Treppe kommen mir Feuerwehrmänner mit Atemschutzgeräten entgegen.

Unten bin ich froh, die ganze Etage wohlbehalten anzutreffen, und gehe dann über den eisglatten Spielplatz, um mir von der anderen Seite aus anzusehen was passiert. Die Feuerwehr hat von der Straße aus eine lange Drehleiter ausgefahren, kommt von dort aber nur halbwegs an die brennende Wohnung heran. Sie brauchen ziemlich lange, etwa eine dreiviertel Stunde, bis das Feuer aus ist. Eine Wohnung weiter, zwei Etagen höher… hätte es schlimmer enden können. Wir haben auf jeder Etage einen Löschschlauch, aber anscheinend war es wohl zu gefährlich, vom Flur her zum Löschen reinzugehen.

Die Leute aus den Stockwerken 8 (wo das Feuer war) bis 16 (ganz oben) sind alle draußen.  Es hat jemand Busse der VGB organisiert, dort dürfen wir im Warmen abwarten (draußen sind es acht Grad minus), dort bin ich dann auch hingegangen.

Erstaunlich, wie viele mir unbekannte Gesichter ich dort vorfinde. In zehn Jahren hat man doch noch längst nicht jeden Hausbewohner kennengelernt. Manche haben sich nicht mal feste Schuhe angezogen und sitzen in Schlafzeug, mit Hausschuhen und einer übergeworfenen Jacke da. Die Feuerwehr bringt dann hilfreich Decken herbei. Die Stimmung ist etwas angespannt, aber man hält sich mit Sprüchen (“Hast du deine Herdplatte ausgemacht?”) und abgeklärtem Gehabe bei Laune.

Gegen drei bringen uns Polizisten dann etagenweise wieder hoch. Auch jetzt werden Einige die Treppen hochgetragen, denn der Fahrstuhl ist durch das Löschwasser außer Dienst gesetzt. Im ganzen Haus stinkt es, alle Außentüren auf den Fluren stehen offen, damit der Rauch abziehen kann. In die Wohnungen (auch die über dem Brandort) ist aber dank der neuen Isofenster fast kein Qualm gelangt.

So war es dann nur die Aufregung, die einen guten Schlaf noch verhinderte. Heute früh hieß es im Radio, ein 20-Jähriger habe (möglicherweise fahrlässig) das Feuer in seiner Wohnung verursacht, selber die Feuerwehr alarmiert, und sei, ebenso wie zwei Beamte, mit Rauchvergiftung im Krankenhaus. Sachschaden über 100.000 Euro. Die achte Etage ist erstmal wegen Qualm und Löschwasser komplett unbewohnbar, die Leute wurden von der Gewoba zunächst in anderen Häusern untergebracht.

Jetzt werden Fenster repariert, der Fahrstuhlschacht wird ausgesaugt, man hört Gehämmer und Kreissägen, sieht Elektriker und Beamte – es ist was los.

Irgendwelche kritischen Anmerkungen? – Nein, keine. Die Mitarbeiter der Notdienste haben ihren Job professionell, unaufgeregt, freundlich und engagiert erledigt. Die Organisation hat im Großen und Ganzen gut geklappt.  Die komplette Evakuierung der oberen neun Etagen war vielleicht im Nachhinein nicht nötig. Aber ganz bestimmt in dem Moment die richtige Entscheidung.

Nächstes Mal sollten sie allerdings mit dem Leiterwagen ums Haus rumfahren. Von dort wäre man leichter an die brennende Wohnung rangekommen. Der Weg dorthin ist breit genug.

Eine politische Bewertung? – Ja. Ich bin froh, in einem Staat zu leben, der sich dank der Steuerzahlungen seiner Bürger funktionierende öffentliche Notdienste leisten kann, daß wir nicht “Jeder für sich selber” sorgen müssen, wie es die Marktextremisten von der FDP (zunächst mal z.B. im medizinischen Bereich) gerne hätten.

c/ Volkmar Dantzer

c/ Hartmut Ziembiewicz

oettinger englisch video zensur youtube

2. Februar 2010 von rauskucker

Nur eine zwei Ergänzungen zum vorherigen Eintrag:

1. Youtube hat seit gestern Hunderte von gespiegelten Oettinger-Videos gelöscht. Einen Weg, diese Zensur (erstmal) zu umgehen, hat der User mit dem passenden Namen “zensorship” gefunden:

2. Das Original von Ötzis Oettis Rede in voller Länge und Pracht steht weiterhin auf der Seite der Tarnorganisation “Center on Capitalism and Society”, immer noch mit der Angabe

View Special Guest Speech from Dr. Güenther Oettinger” …  (sic)

Ebendieses “Center” soll angeblich Rechteinhaber des YouTube-Videos sein.

Eine solche Löschung sieht dann übrigens so aus:

YouTube zensiert Oettinger

29. Januar 2010 von rauskucker

Ei, wunderbar! Damit auch wirklich Jeder mitbekommt, was für einen Deppen Merkel da nach Brüssel entsorgt hat, zensiert YouTube das Video, das in fünf Tagen über 1,2 Millionen Zuschauer geschafft hatte.

Und plötzlich hat es sich vervielfacht, oh Wunder. Ich hab’s dann auch mal hochgeladen.

Ergänzung (2.2.10)

Seit gestern hat YouTube dann auch meine Spiegelung des Videos entfernt. (Seltsamerweise läuft es hier im Fenster manchmal doch noch. Auf meine YT-Seite ist es aber weg.) Andere Uploads des gleichen Stückes laufen aber noch, z.B. hier.

Ich habe eben eine “Gegendarstellung” an YT geschickt. Mal sehen, was draus wird. Das Video war ja inzwischen auf sämtlichen Fernsehkanälen zu sehen, es geht aber ums Prinzip, daß bei YT ständig politisch anstößige Videos unter vorgeschobenen “Urheberrechts”-Gründen zensiert werden.

Der Text meiner Beschwerde:

Das “Center of Capitalism and Society” (kurz C.I.A.) hat keine Rechte an Herrn Oettingers öffentlichen Äußerungen. Es hat diese selber ins Netz gestellt. Ich habe auf diese Quelle hingewiesen und verlinkt.
Eine Zensur findet in Deutschland nicht statt.

Dichtung, Wahrheit

28. Januar 2010 von rauskucker

Über den Kosmopoliten Oettinger ist ja jetzt alles gesagt worden (er hat nur nichts gehört). Aber am schönsten finde ich den Beitrag von 1ngO. Der schreibt jeden Tag ein Gedicht und setzt es in sein Blog “Zwölf Zeilen zur Zeit”. Sein Gedicht über das schwäbische Universalgenie fängt so an:

diep inseid se schwabenländle
lived se oetti wif his mistress
hi hed kweit a golden händle
mixing politics wif bisness

(tudei ditzingen, tumorro se wörld!)

und über unsere neue Familienmonster -ministerin dichtete er auch sehr Freundliches. (Dort bitte auch die – gereimten- Kommentare beachten!)

…mit “Ge”, wie “gemeinnützig” (Folge 2)

27. Januar 2010 von rauskucker

Neben unserm Haus standen zwei wunderbare, gesunde, 22 Meter hohe und etwa 35 Jahre alte Pappeln. Letztes Jahr fuhren monatelang die schweren Baufahrzeuge über ihre Wurzeln. (Siehe Folge 1.)

Nun hat unsere “Ge”woba in ihrer unerforschlichen Ratlosigkeit sich entschlossen, beide Bäume zu fällen. Es hatte sich wohl irgendein Arschloch Mitbewohner aus den unteren Stockwerken beklagt, daß bei ihm die Sonne im Sommer nicht wie bei den unbeschatteten Wohnungen für Saunatemperaturen sorgt. Jetzt verlieren also etwa acht Mieter ihren Sonnenschutz und alle Nachbarn und Anwohner zwei Freunde. Informiert oder gar um unsere Meinung gefragt hat uns, wie üblich, niemand. Die Kosten für den tagelangen Sägelärm dürfen wir alle per Umlage natürlich auch noch begleichen.

Und die Leute, die das ausführen, halten sich tatsächlich für “Arbeiter”, ihnen macht der Job “an der frischen Luft” Spaß, und sie schämen sich nichtmal, dafür auch noch Geld anzunehmen.

Bestätigendes Dementi

18. Januar 2010 von rauskucker

Das Schöne ist, daß jemand wie Westerwelle es nicht merkt, wenn er zu deutlich wird:

“Manche Vorwürfe der SPD sind so absurd, daß sie sich selbst richten. Wie groß muß die Verzweiflung bei der SPD sein, daß sie solche absurden Vorwürfe erhebt.”

Und demnächst behaupten sie noch, der Papst sei katholisch! Natürlich ist die FDP korrupt und käuflich. Das ist ihr Programm. “Absurd” war auch das Lieblingswort von Bushs Pressesprechern, wenn sie es vermeiden wollten, auf berechtigte Kritik einzugehen.

Nachtrag: einen schönen Gedankengang zu dieser Partei gibt’s auch im Blog vom Perlenschwein.

Nachtrag (28.1.10): wer wissen will, wer dieser “edle” Spender der FDP-Million ist, sollte unbedingt beim Spiegelfechter den Artikel über Baron von Finck lesen.

Programmtip (DLF)

12. Januar 2010 von rauskucker

Heute um 19:15 Uhr bringt der DLF ein Feature von Holger Siemann:

“Kafka, Kanzler und da knackt nichts – Aus dem Inneren eines Überwachungsstaates”

Es geht um paranoide Geheimdienstler und ihre Opfer, am Beispiel eines jungen Mannes, der jahrelang als angebliches Mitglied der “mg” überwacht und verfolgt wurde. Die Geheimdienste verweigern bis heute eine volle Aufklärung des Falls.

Nachtrag: inzwischen gibt’s beim DLF die Sendung auch zum Herunterladen, und zwar in einer gegenüber der ausgestrahlten etwas verlängerten Fassung. Link zum Download.

Menschheit hopps

9. Dezember 2009 von rauskucker

Karl Weiss hat ein sehr lesenswertes “Dossier Klimakatastrophe” geschrieben. In neun Punkten erläutert er darin, was auf uns zukommt, im zehnten geht es darum, was zu tun wäre. Das ganze ist ungewöhnlich realistisch und unprätentiös verfasst, keineswegs “alarmistisch”, wie neuerdings der Standardvorwurf lautet.
Leider kann man in Karls Blog nur per Anmeldung kommentieren, deshalb hier zwei Kritikpunkte an seinem Text:

In Punkt 6 geht es um das Verschwinden der Pflanzen. Darin behauptet Karl, es würde dann

“fast keine normalen Regenfälle mehr geben, sondern fast nur noch schwerste Unwetter mit ’stärker als Orkan’-Stürmen, sintflutartigen Regengüssen…”

Dies halte ich in dieser Eindeutigkeit für eine nicht bewiesene These. Ich bin nicht mal sicher, daß auf Dauer Starkwetterereignisse wirklich zunehmen werden. Es gibt auch meteorologische Gründe, die bei einer Erwärmung das Gegenteil annehmen lassen. (Abflachung des Temperaturgefälles zwischen den Klimazonen.)
Allerdings werden die Ökosysteme, insbesondere die Wälder, durch die wiederholte rabiate Verschiebung der Klimazonen in großen Stress geraten. Und Erosion und Bodendegradation sind auch so schon schwerwiegende Probleme.
Einen Zusammenbruch der weltweiten Nahrungsproduktion sehe ich eher als Folge des absehbaren Zusammenbruchs der Industrieen kommen.

Nicht viel anfangen kann ich mit Karls zehntem Punkt.

“10. Was können wir noch tun, um das zu verhindern? – Wir müssen schnellstens eine mächtige und entschlossene Umweltbewegung schaffen, …”

Ich weiß nicht, wer dieses ominöse “Wir” sein soll. Ich sehe auch weltweit fast nirgendwo (vielleicht in Indien) größere Menschengruppen die jetzt, bevor die Katastrophe noch wirklich spürbar geworden ist, solches leisten wollten oder könnten.

Ich bin Pessimist. Ich habe all die Bücher gelesen, in denen es um das drohende Ende der Menschheit geht. Von Herbert Gruhl über von Ditfurth bis Jared Diamond (“Kollaps”) und Harald Welzer. Und bin jedesmal etwas genervt, wenn sie am Ende ihrer gut belegten Schilderungen doch noch versuchen, Hoffnung zu machen. Daß “wir” vielleicht doch noch die Kurve kriegen. Aber bislang habe ich noch nicht gemerkt, daß auch nur irgendjemand ernsthaft am Lenkrad drehen würde.
(Und als Radfahrer werde ich auf der Straße heutzutage angesehen wie ein Außerirdischer. Und bin wohl der Einzige Bürger meiner Stadt, der die Heizung erst anmacht, wenn es draußen friert. Will sagen: die merken alle gar nicht mehr, daß ihre Lebensweise nicht normal ist.)

Die Menschheit wird untergehen. So wie jeder Einzelne irgendwann stirbt. (Und wie es aussieht, wird es bei der Menschheit eher nicht mehr sehr lange dauern. Auch wenn das Sterben sich aus der Sicht der Menschen vermutlich recht lange hinziehen wird.)
Ich mag lieber mit dieser Erkenntnis leben als mit irgendwelchen hoffnungmachenden Lügen.

Noch der Hinweis auf die deutlichen Worte des Klimaforschers James Hansen im Guardian (auf deutsch etwas flach zusammengefasst bei Telepolis) über den Kopenhagener Gipfel. Seine Art von Optimismus kann ich schon eher ertragen:

“It may be that we have already committed to a future sea level rise of a metre or even more but that doesn’t mean that you give up. Because if you give up you could be talking about tens of metres. So I find it screwy that people say you passed a tipping point so it’s too late.”

Lambsdorff hopps

7. Dezember 2009 von rauskucker

Als ich gestern mittag die Nachricht im DLF hörte, rief ich spontan aus: “endlich!”

Warum man diesen Mann nicht vermissen braucht, haben heute zwei Blogs etwas genauer herausgearbeitet, Fefe (kurz und witzig) und Ware: Lüge (fundiert und detailliert).

Letzteres Blog trägt im Titel einen sehr schönen und passenden Sinnspruch. Ein ebenso treffendes Ceterum Censeo (dem ich mich vorbehaltlos anschließe) findet sich unter allen Artikeln vom “Perlenschwein”, wo es heute um gewisse liberale Nachwuchspolitiker und deren Infamitäten geht. Vielleicht im Ton etwas hart – aber ich wundere mich eher, daß sowas immer noch irritiert.

Köhler über alles

25. November 2009 von rauskucker

Ist es nicht eigentlich strafbar, die erste Strophe des Deutschlandliedes in der Öffentlichkeit abzusingen?

Aber der Mann ist ja anscheinend ohnehin merkbefreit: