Feuer im achten Stock (Bremerhaven)

Bei uns hat es gebrannt. Nachts um halb eins klingelt die Polizei das ganze Haus wach, aufgeregt stellen meine Nachbarn und ich fest, daß zwei Stockwerke unter uns Flammen aus einem Fenster schlagen, draußen ist alles voll Qualm. Aus meiner Sicht zum Glück, ist es auf der anderen Seite des Hauses.

Kurz darauf kommen die Polizisten bei uns an (die Fahrstühle sind bereits außer Betrieb), hämmern an die Türen und teilen Jedem mit, daß wir uns warm anziehen und dann das Haus verlassen sollen. Rollstuhlfahrer werden hinuntergetragen. Ich habe mir in zwei Minuten was übergezogen und laufe dann auch runter, auf der Treppe kommen mir Feuerwehrmänner mit Atemschutzgeräten entgegen.

Unten bin ich froh, die ganze Etage wohlbehalten anzutreffen, und gehe dann über den eisglatten Spielplatz, um mir von der anderen Seite aus anzusehen was passiert. Die Feuerwehr hat von der Straße aus eine lange Drehleiter ausgefahren, kommt von dort aber nur halbwegs an die brennende Wohnung heran. Sie brauchen ziemlich lange, etwa eine dreiviertel Stunde, bis das Feuer aus ist. Eine Wohnung weiter, zwei Etagen höher… hätte es schlimmer enden können. Wir haben auf jeder Etage einen Löschschlauch, aber anscheinend war es wohl zu gefährlich, vom Flur her zum Löschen reinzugehen.

Die Leute aus den Stockwerken 8 (wo das Feuer war) bis 16 (ganz oben) sind alle draußen.  Es hat jemand Busse der VGB organisiert, dort dürfen wir im Warmen abwarten (draußen sind es acht Grad minus), dort bin ich dann auch hingegangen.

Erstaunlich, wie viele mir unbekannte Gesichter ich dort vorfinde. In zehn Jahren hat man doch noch längst nicht jeden Hausbewohner kennengelernt. Manche haben sich nicht mal feste Schuhe angezogen und sitzen in Schlafzeug, mit Hausschuhen und einer übergeworfenen Jacke da. Die Feuerwehr bringt dann hilfreich Decken herbei. Die Stimmung ist etwas angespannt, aber man hält sich mit Sprüchen („Hast du deine Herdplatte ausgemacht?“) und abgeklärtem Gehabe bei Laune.

Gegen drei bringen uns Polizisten dann etagenweise wieder hoch. Auch jetzt werden Einige die Treppen hochgetragen, denn der Fahrstuhl ist durch das Löschwasser außer Dienst gesetzt. Im ganzen Haus stinkt es, alle Außentüren auf den Fluren stehen offen, damit der Rauch abziehen kann. In die Wohnungen (auch die über dem Brandort) ist aber dank der neuen Isofenster fast kein Qualm gelangt.

So war es dann nur die Aufregung, die einen guten Schlaf noch verhinderte. Heute früh hieß es im Radio, ein 20-Jähriger habe (möglicherweise fahrlässig) das Feuer in seiner Wohnung verursacht, selber die Feuerwehr alarmiert, und sei, ebenso wie zwei Beamte, mit Rauchvergiftung im Krankenhaus. Sachschaden über 100.000 Euro. Die achte Etage ist erstmal wegen Qualm und Löschwasser komplett unbewohnbar, die Leute wurden von der Gewoba zunächst in anderen Häusern untergebracht.

Jetzt werden Fenster repariert, der Fahrstuhlschacht wird ausgesaugt, man hört Gehämmer und Kreissägen, sieht Elektriker und Beamte – es ist was los.

Irgendwelche kritischen Anmerkungen? – Nein, keine. Die Mitarbeiter der Notdienste haben ihren Job professionell, unaufgeregt, freundlich und engagiert erledigt. Die Organisation hat im Großen und Ganzen gut geklappt.  Die komplette Evakuierung der oberen neun Etagen war vielleicht im Nachhinein nicht nötig. Aber ganz bestimmt in dem Moment die richtige Entscheidung.

Nächstes Mal sollten sie allerdings mit dem Leiterwagen ums Haus rumfahren. Von dort wäre man leichter an die brennende Wohnung rangekommen. Der Weg dorthin ist breit genug.

Eine politische Bewertung? – Ja. Ich bin froh, in einem Staat zu leben, der sich dank der Steuerzahlungen seiner Bürger funktionierende öffentliche Notdienste leisten kann, daß wir nicht „Jeder für sich selber“ sorgen müssen, wie es die Marktextremisten von der FDP (zunächst mal z.B. im medizinischen Bereich) gerne hätten.

c/ Volkmar Dantzer

c/ Hartmut Ziembiewicz

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4 Antworten to “Feuer im achten Stock (Bremerhaven)”

  1. Sousa Says:

    Wenn es irgendwo brennt ist der Bürger natürlich froh, wenn es so ein paar Verrückte gibt, die ins Feuer hinein statt hinaus laufen 🙂 Auch das es einem wie eine Ewigkeit vorkommt bis man wieder die Wohnung betreten darf – wenn sie denn trotz giftiger Rückstände des Brandes betreten werden darf – ist verständlich…aber mal ehrlich: einen Einsatz von einer dreiviertel Stunde ist megaschnelle Arbeit der Feuerwehr. Man bedenke, dass der Feuerwehrmensch auf allen Vieren die Wohnung betritt, es im Rauch nichts, rein gar nichts zu sehen gibt und der Feuerwehrmensch dann aber den Brandherd suchen, finden und löschen muss! Brennt die Wohnung schon in voller Ausdehnung (den Bildern nach zu urteilen) dauern Löscharbeiten bzw. das Ausmerzen der Glutnester eigentlich noch viel länger! Mancher Profi kann von nächtelangen Brandwachen erzählen (durch versteckte Glutnester flackern Brände gerne wieder auf).
    Auch das die Feuerwehr sich nicht auf vorhandenes Schlauchmaterial verlässt hat zwei gewichtige Gründe: zum einen zerstören Spassvögel schon gern mal solche Utensilien (da fehlt dann irgendwann das Ende vom Schlauch – upps) und zum Anderen ist die Wasserförderung sprich Löschleistung über Hydranten oder TLF eine wesentlich höhere!
    Das eine Drehleiter nicht unbedingt dort abgestellt wird wo der Laie den sinnvollsten Platz zu wissen meint, liegt nun wieder daran, dass wir es hier mit einem hohen Gewicht des Wagens zu tun haben: es gibt also speziell ausgewiesene Plätze dafür. Außerdem war der Außenangriff sicherlich nur zum Ablöschen der Fassade und somit zur Verhinderung des Überspringens auf andere Etagen gedacht, die Löscharbeit selber lief vermutlich durch den Innenangriff ( wie der Rauskucker ja feststellte kamen ihm Feuerwehrmänner mit PA entgegen!!!).
    Warum eine Evakuierung der oberen Etagen erfolgen musste wird nun auch verständlich: erstens ist nicht von vornherein klar, wie weit die Ausdehnung des Brandes noch verläuft und dann ziehen die giftigen Rauchgase gerne mal nach oben…man sieht sie nicht, man hört sie nicht und wenn man sie eingeatmet hat ist es zu spät!
    Aber lieber Rauskucker…immerhin bist DU ja doch zufrieden das es NUR eine schlaflose Nacht mit etwas Aufregung war…der Mensch mit der ausgebrannten Wohnung hat nichts mehr – und da meine ich nicht die materiellen Dinge mit, die können ersetzt werden! Aber Dein Leben mit all den Bildern, Briefen…Erinnerungen – das ist nun weg!
    In diesem Sinne doppelte Freude!

  2. rauskucker Says:

    Danke, „Sousa“, für deine erklärenden Informationen.
    Da merkt man doch, daß da ein Fachmann spricht.
    Ich hoffe, daß meine Sätze nicht zusehr nach Kritik an der Arbeit der Einsatzkräfte klangen. Die möchte ich mir nicht anmaßen, und als ich mit runterlief, war ich mir durchaus nicht sicher, ob ich später meine Wohnung noch heile vorfinden würde.
    Daß die sich den Aufstellplatz vorher planmäßig ausgesucht haben, will ich nur hoffen. Es schien mir jedenfalls so (auch aus den mitgehörten Rufen der Männer), als hätten sie schon Probleme, die 8.Etage (so, von der Seite her) zu erreichen. Was hätten sie im 12. Stock, noch einen Balkon weiter rechts getan?

    Mit den Schläuchen: du hast Recht, die haben tatsächlich ihre eigenen mit hochgeschleppt. Aber geht dadurch nicht unnötig Zeit verloren? Die Schläuche in den Fluren werden (ich glaube jedes Jahr) regelmäßig überprüft.

  3. schmiddy Says:

    Hallo das war meine Wohnung die abgebrannt ist….

    Und es war ein Kabelbrand im Fernseher… Das Verfahren wurde eingestellt wegen Fahrlässiger Brandstiftung….

    Und ich entschuldie mich das die ganzen Menschen auch erstmal keine wohnung hatten….

  4. rauskucker Says:

    Hallo schmiddy
    Finde ich ja witzig, auf diese Weise noch mal von dir zu hören. Danke für deine Meldung.
    Das mit dem Fernseher wußte ich nicht, alle haben immer was von eingeschlafener Zigarette gemunkelt. Ich werd’s weitersagen, falls nochmal das Gespräch darauf kommt. (Bei mir brauchst du dich nicht entschuldigen, mir ist ja nichts passiert.)
    Ich hoffe, daß du danach irgendwie wieder auf die Beine gekommen bist.

    Inzwischen haben wir alle Rauchmelder bekommen.

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