Für Gedichte in den Knast

Das folgende Gedicht ist nicht von mir (daß ich selber wegen Lyrik vor Gericht stand, ist schon etwas länger her), sondern von Helmut Seethaler. Es paßt ganz gut zur Debatte über die Sprüche des Liberal-Demagogen Westerwelle:

es gibt die
die genug geld haben
um ihr geld arbeiten zu lassen
es gibt die
die kein geld haben
und für die arbeiten
die genug geld haben
damit sie noch mehr geld haben

aber die
die selber arbeiten
und nicht ihr geld arbeiten lassen
bekommen nur wenig geld
während die
die nicht selber arbeiten
immer mehr geld dafür bekommen
daß sie ihr geld arbeiten lassen

je mehr geld man hat
umso mehr kann man es arbeiten lassen
und umso mehr kann man
die für sich arbeiten lassen
die kein geld haben

so arbeiten wir für die
die schon genug geld haben
aber immer mehr geld haben wollen
während wir nie genug geld haben
und immer mehr arbeiten müssen
um nicht noch weniger zu haben

Der Dichter Helmut Seethaler ist seit Jahrzehnten in Wien unterwegs und klebt Zettel mit seinen Texten an Laternenpfähle (das Wort des Jahres) und andere Stellen im öffentlichen Raum. 3000 Mal wurde er deswegen angezeigt, fast immer freigesprochen. Letztes Jahr hatte er vor dem Wiener MuseumsQuartier Gedichte auf Bodenplatten geschrieben (mit wasserlöslichem Filzer). Das Museum hat ihn angezeigt, heute hat ihn ein Richter wegen „Sachbeschädigung“ zu zwei Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Seethaler hat gleich im Gericht weiter Kunst angebracht („Das ist mein Job“) und außerdem Berufung angekündigt. (Quelle: ORF)  Ein Portait des Künstlers lief am 16.2. bei 3sat-kulturzeit. Dort im Blog weitere Anmerkungen von Ernst Grandits zum Fall des „Zettelpoeten“.

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Eine Antwort to “Für Gedichte in den Knast”

  1. helmut seethaler Says:

    Wir greifen nach
    Immer mehr
    Und begreifen
    Immer weniger

    Wie dadurch
    Immer mehr
    NACH UNS
    Gegriffen wird

    Helmut Seethaler

    Hat man jeden tag
    Das selbe ziel
    Wird man ziellos
    hseethaler@gmx.at

    Der 1.saenger
    Beginnt.
    Niemand ist da,
    Der ihm zuhoert.

    Fuer ihn ist das
    Nicht entscheidend.
    Er spuert nur,
    Er muss singen.

    Der 2.saenger
    Beginnt.
    Niemand ist da,
    Der ihm zuhoert.
    Fuer ihn ist das
    Entscheidend.

    Darum hoert er auf.
    Er spuert,
    Sein singen waere
    Vergeblich.

    Der 3.saenger
    Beginnt.
    Als er merkt,
    Dass niemand da ist,
    Der ihm zuhoert,
    Bricht er auf,
    Um die zu suchen,
    Denen er singen muss.

    Helmut seethaler
    http://www.hoffnung.at

    NEUE FRAGEN stellen
    Niemals sich
    Mit ALTEN ANTWORTEN
    Troesten lassen

    Sonst kommt
    (wieder) die zeit
    In der wenige
    Auf alles
    Fuer alle
    Eine antwort
    Geben (duerfen)

    Und wir
    All unsere fragen
    Vergessen (muessen)

    Helmut Seethaler

    JETZT gibt es
    Keine anderen werte
    Als die
    die man uns
    einredete

    Weil wir
    nicht fragten
    Ob es
    Keine anderen
    Werte gibt
    Als die
    die man uns
    einredete

    hseethaler@gmx.at

    Sich wehren
    Zur rechten zeit

    Um zeit zu bewahren
    Fuer sicheres recht

    hs

    42.Denk-Zettel

    Wir haben keine
    Feinde in einem
    Anderen land

    Wir haben feinde
    Im eigenen land:

    Die
    Die uns einreden
    Wir haetten feinde
    In einem
    Anderen land

    Helmut seethaler
    A 1200 wien
    Wasnergasse 43/8

    Weitere texte auf millionen zettel
    die von baeumen, sauelen und waenden
    gepflueckt werden
    koennen:
    Bis amtliche und private kunst-vandalen es
    brutal beenden
    Und tausende anzeigen erstatten.
    Nach tausenden strafen 1.instanz
    Machte ich tausende
    Berufungen:
    Es gab tausende
    Freisprueche.
    Nur wenige verurteilungen.

    Seit kurzem ist ALLES ANDERS!

    Jede berufung verliere ich.
    Die strafen werden immer mehr und hoeher!

    Demnaechst sogar mehrere monate gefaengnis!

    ANGST,
    das nicht zu ueberleben………….

    Um vorerst
    noch
    weiter(zu)kleben:
    PSK 7 975 059

    Damit
    Die einen
    In ruhe gewinnen

    Lenkt man
    Die anderen

    Mit vielen spielen
    In denen auch sie
    Zu gewinnen glauben

    Davon ab

    Dass immer
    Dieselben
    Gewinnen/verlieren

    Helmut Seethaler
    0043 1 330 37 01

    0043 664 33 69 572
    .
    .

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