Papstsekte will Bloggern das Maul verbieten

Unter der Überschrift „Schweigen gegen Geld“ schrieb der „Spiegel“ am 17.9.2007 über den Fall eines bayerischen Kinderfickerpriesters:

„Am 25. November 1999 dann wurde ein rechtlich höchst dubioses Abkommen zwischen Familie, Täter und Bischöflichem Ordinariat geschlossen. In dem bislang der Öffentlichkeit unbekannten Vertrag heißt es: „Im wohlverstandenen Interesse der Kinder und auf ausdrücklichen Wunsch der Eltern soll Stillschweigen gewahrt werden.“ Benedikt erhielt damals 4000 Mark, seine Schwester 1000 Mark, der Bruder 1500 Mark als „Schmerzensgeld“ vom Pfarrer. „

Das Regional-Blog „regensburg-digital“ hat den Fall am 7.3.2010 in  einem aktuellen Artikel („Aufklärung auf katholisch“) erwähnt und geschrieben:

„Ein Opfer des pädophilen Pfarrers von Riekofen erhielt Geldzahlungen, die nicht nur in den Augen unserer Redaktion den Beigeschmack einer Schweigegeldzahlung haben. Das Bistum Regensburg hat das stets bestritten. Es habe keinen kausalen Zusammenhang zwischen der Zahlung und dem vereinbarten Schweigen gegeben, behauptet das Bistum. „Es geht ihnen nicht um die Opfer, sondern vor allem darum, dass nichts an die Öffentlichkeit kommt. Das tut weh”, sagte eines der Opfer dem Spiegel. „

Dieser Absatz ist von der Sekte mittels eines Abmahnanwalts und einer einstweiligen Verfügung (ausgerechnet bei der Hamburger Zensurkammer!) beseitigt worden, wobei es wohl um den ersten Satz geht, den mit dem Schweigegeld. Den Spiegel, der ja genau zum gleichen Schluß gekommen war, haben sie offenbar nicht abgemahnt [Korrektur 21.4.,0:35:] haben sie auch abgemahnt (wie ich soeben aus einem höchstinteressanten Artikel bei den Webevangelisten erfahre). Ferner wurde auch der Satz

„Und beim Vertuschen von Missbrauch zeigt man sich äußerst kreativ.“

verboten, der doch nur aussagt, was Jeder jeden Tag erfahren kann, der sich für das kriminelle Treiben des Herrn Ratzinger und seines Gefolges interessiert.
Die Seite „regensburg-digital“ bittet um Spenden, um sich gegen die Angriffe juristisch wehren zu können. Es gilt zwar weiterhin das Recht auf freie Meinungsäußerung, auch die Pressefreiheit, aber manchmal kann es sehr teuer werden, diese Rechte auch wahrzunehmen.
Die Kosten des Verfahrens, das, wenn es denn stattfindet, nur zuungunsten der Sekte ausgehen kann, trägt dann der Kirchensteuerzahler. Jesus würde ziemlich wütend, wenn er das erführe.

Nachtrag, 5.5.10, 15:15 Uhr: Soeben habe ich aus der taz von heute erfahren, wie die Regensburger Sektenleute die Sache sehen: demnach habe die Familie der Mißhandlungsopfer selber auf dem Stillschweigen bestanden. Es sei also ein „Schmerzensgeld“ gewesen, das gezahlt wurde.

Ahhhh so! Na dann ist doch alles klar. Das hättet ihr aber auch gleich sagen können. Dann braucht ihr jetzt nur noch eure Anwälte zurückpfeifen, die Blogger für ihre Auslagen zu entschädigen, und alles ist wieder gut.

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7 Antworten to “Papstsekte will Bloggern das Maul verbieten”

  1. moldo Says:

    streich das „Kirchen“ aus dem Kirchensteuerzahler im vorletzten Satz, dann ist es richtig.

  2. ulf_der_freak Says:

    Papstsekte gefällt mir.

  3. Kirche, Missbrauch, Abmahnanwälte « Buchstaeblich seltsam! Says:

    […] } Beim Stolpern über den Rausgucker-Blog stieß ich dort auf diesen Artikel, der darüber informiert, dass im Zusammenhang mit den […]

  4. Wenn die Wahrheit zu arg wird, nehmen wir den Anwalt! « Verhaltensoriginell oder vielleicht doch ADHS? Says:

    […] Wenn die Wahrheit zu arg wird, nehmen wir den Anwalt! April 22, 2010 Tags: Anwalt, Geld, katholische Kirche, Kritiker, Missbrauch, Sekte, Vertuschung by verhaltensoriginell und verbieten anderen das Maul! […]

  5. Kila Says:

    Die Verantwortlichen betreiben Strafvereitelung in großem Stil…..

  6. Wie die Diözese Regensburg versucht die freie Meinungsäußerung zu unterbinden… « Twitgeridoo! Says:

    […] Papstsekte will Bloggern das Maul verbieten (Rauskucker, 20. April 2010) […]

  7. Alex Kempe Says:

    Es ist an der Zeit, daß wir Blogger handeln und keinesfalls die Kampfansage der katholischen Glaubenskrieger ignorieren. Wir müssen uns die Finger wund schreiben zu diesem Thema. Nur, dazu müssen wir geschlossen auftreten und nicht wie bisher nur eine handvoll Blogger darüber berichtet haben. Gemeinsam für unser Recht auf freie Meinungsäusserung.

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