Das Zeitenfenster (Dritte Folge)

Es geht doch jetzt schon weiter. Aber bitte keine Hoffnung, es kann auch mal länger dauern! Im Moment bin ich fasziniert, wie diese Geschichte sich beim Schreiben entwickelt. Bisher führt sie noch in die Richtung, wo ich sie hinhaben will. Hier ist das dritte Kapitel, in dem wir wieder jemanden Neues kennenlernen:

3. alexi

er hielt die hände um die augen gelegt, um das blendende sonnenlicht abzuhalten, und spähte durch das fenster, aber wie immer konnte er fast nichts erkennen. hinter der glasscheibe war eine art vorhang, der den blick ins innere der wohnung verhinderte. nur an einer stelle gab es in dem stoff einen etwa handbreiten schlitz, doch im dunkel des raumes war auch dort nichts auszumachen. er hatte schon oft hier auf dem balkon gestanden und hineingeguckt und sich gefragt, was wohl dort drinnen sein mochte. daß der eine von den drei fensterflügeln diesmal nun ein kleines stück geöffnet war, hatte er zwar sofort bemerkt, aber er scheute sich, das fenster ganz aufzuziehen und einfach hineinzugehen.

er erinnerte sich an den traum. „geh durchs fenster“ hatte der mann zu ihm gesagt. und im traum war es ihm auch als ganz selbstverständlich erschienen, der aufforderung zu folgen. damit war der traum aber zu ende gewesen. was würde ihm passieren? er hatte das gefühl, er könne auch jetzt aufwachen aus einem traum.

die tür (denn es war ihm schon klargeworden, daß das geöffnete fensterstück eine solche war) öffnete sich ein stückchen weiter und ein kleines tier, etwa so groß wie ein unterarm, trat in die öffnung, blickte ihn fragend an und sagte laut : „miauuh?“. es hatte ein grau und weiß geflecktes fell, einen langen buschigen schwanz und einige kräftige weiße haare an der schnauze.
„wer bist du denn?“
„miauu?“
„ich bin romani.“
„miauuuuh?“
„ich grüße dich, edler miauu. darf ich hereinkommen?“

das tier antworte nicht, sondern drehte sich um und sprang mit einem großen satz von der türschwelle ins dunkel des raumes zurück. immer noch etwas zögernd zog romani die tür ganz auf, schob den weißen vorhang vorsichtig mit der hand beiseite und betrat eine andere zeit. die tür schloss sich hinter ihm.

er brauchte einen moment, bis sich seine augen an das dunkel gewöhnt hatten. als erstes bemerkte er die ungewohnt kühle luft hier drinnen. er war sein ganzes leben nackt herumgelaufen, allenfalls in der regenzeit gab es manchmal tage, an denen er sich eine plastikdecke über die schultern gelegt hatte. jetzt aber war sommer, und doch war es hier so kalt, daß ihn fröstelte und er die arme um den oberkörper schlang.

und es roch seltsam. nein, es roch hier überhaupt nicht, und das war seltsam. er bemerkte plötzlich seinen eigenen geruch nach schweiß, salz, fisch, schmutz. er konnte jetzt besser sehen im dämmerigen licht, das durch den vorhang drang. aber er sah nur einen raum, der wie alle anderen im haus geschnitten war, er sah die grauen betonwände, eine hölzerne zwischenwand, die alten wasserbecken, die verschlossene eingangstür, die zum etagenflur führte. sonst war da nichts und niemand. kein alter mann, kein felltier, keine möbel, keine bilder. nur das fenster mit dem weißen vorhang.

nachdem romani einmal durchs zimmer gegangen war und in den nebenraum mit der großen schüssel aus weißem stein geblickt hatte, die wie in allen anderen wohnungen aussah und über deren zweck er längst aufgehört hatte, sich gedanken zu machen, nachdem er nirgends ein zeichen von menschlicher anwesenheit entdeckt hatte, und auch miauu nicht mehr gefunden hatte, ging er zurück ans fenster. er öffnete den kleinen spalt im vorhang etwas und blickte hinaus.

das dort draußen war nicht die welt, die er kannte.

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2 Antworten to “Das Zeitenfenster (Dritte Folge)”

  1. Guinan Says:

    Und wer ist jetzt Alexi? Die Katze?

    Guter Schluss übrigens.

  2. rauskucker Says:

    Gute Frage. 😉

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