Archive for the ‘Besserwelt’ Category

Grundrecht auf Urheberschaft

19. Mai 2012

Kommen wir zur Sache: Einführung des Grundrechts auf Urheberschaft (Erschaffung geistiger Werke) als allgemeinem Menschenrecht:

Jeder Mensch hat ein Recht auf Leben und materielle Versorgung. Jeder Mensch hat ein Recht auf Arbeit und angemessene Tätigkeit. Jeder Mensch hat ein Recht auf freie Entfaltung seiner Persönlichkeit und auf freie Meinungsäußerung. Wissenschaft und Kunst sind frei.

Daraus folgt:

1. Jeder Mensch hat das Recht, uneingeschränkt geistige Werke zu produzieren und diese nach eigenem Wunsch der Menschheit zur Verfügung zu stellen.

2. Das Schaffen geistiger Werke hat Vorrang vor der materiellen Produktion.

3. Jeder Erschaffer geistiger Werke hat das Recht auf Unterstützung durch die Gemeinschaft bei seiner Arbeit und bei der weltweiten Verbreitung seiner Werke. Alle geistigen Werke werden für zukünftige Generationen aufbewahrt.

4. Jeder Erschaffer geistiger Werke hat das Recht auf Anerkennung als Urheber (als Produzent, Erfinder, Erschaffer, Schöpfer seiner Werke) und darf selber bestimmen, mit wem er den Ruhm teilen will.

5. Die Anerkennung der Urheberschaft bedeutet keine Einschränkung des Rechts der Nutzer geistiger Werke, diese frei zu kopieren und weiter zu bearbeiten.

6. Niemand darf gezwungen werden, geistige Werke zu produzieren. (Die Schulpflicht wird dadurch jedoch nicht eingeschränkt.)

7. Eine Einschränkung findet das Urheberrecht nur in den Gesetzen über Beleidigung und menschenfeindliche Hetze. Eine Zensur findet nicht statt.

8. Aus diesem Grundrecht ergibt sich das Recht auf freien und unbeschränkten Zugang zum Internet für jeden Menschen.

Vorschläge für Verbesserungen und Ergänzungen willkommen!

Nachtrag: was ich bisher zum Thema schrieb findet sich im #rauskuck unter „Medien“, dort suchen nach „Urheber“. Am 26.4.12 erläuterte ich :

Urheberrecht : „Monitor“ fragt nach den Positionen der Piraten zum sog. Urheberrecht und bekommt von diesen auch einige klärende Antworten. Leider verwenden der Bericht selber sowie einige befragte Künstler (u.a. die Band Jupiter Jones) und Softwareentwickler (die ernsthaft meinen, teure Software wäre besser als kostenlose) den Unsinnsbegriff „geistiges Eigentum“ und glauben, dieses solle ihnen genommen werden. Sie kapieren nicht, daß es im Gegenteil gerade darum geht, ein Urheberrecht erst einzuführen. Also das Menschenrecht, eigene geistige Werke der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen (und selbstverständlich: damit Anerkennung, Ruhm, Fans, Anhänger pp. zu gewinnen. Ob und wie jemand daraus materiellen Profit schlagen will, muß jeder für sich selber entscheiden. Wohlgemerkt: aus dem Ruhm, nicht aus dem Kopierschutz.) Schade, daß Monitor nicht den Zigtausenden Fällen nachgeht, in denen die Musikindustrie mittels ungerechtfertigter Urheberansprüche geistige Enteignung und Vernichtung betreibt. Tip an Jupiter Jones: wenn ihr kein Publikum haben wollt, macht eben die Tür zu. 

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Die Revolution im Fernseh

11. Februar 2011

Seit einer halben Stunde zeigt Al Jazeera nichts als jubelnde Menschen, Millionen von Leuten auf den Straßen, die sich in den Armen liegen, tanzen, weinen, feiern. Ungefähr so, wie am Tag der Maueröffnung, nur 300 Mal mehr Leute, und 1000 mal fröhlicher.
Bei Phoenix hat man nach fünf Minuten bemerkt, daß irgendwas passiert sein muß („Al Jazeera hat gemeldet, daß …“) und läßt darum zwei Experten über die Gefahren der Müslibrüder diskutieren. Der „Nachrichtenkanal“ N24 entschließt sich, seine Doku über Baumaschinen zu unterbrechen, damit deren „Reporter“ dummes Zeug reden können.
Und jetzt kommt Westerwelle im Ersten und entschuldigt sich bei den Ägyptern.

Ich hörte, daß dort jetzt ein sogenannter „Oberster Rat der Streitkräfte“ regiere. Also so ne Art Räterepublik.

 

Zum Mitrufen: „El shaab yurid esqat el nezam“

6. Februar 2011

El shaab yurid esqat el nezam – The people want the end of the regime

El shaab yurid esqat el rayis – The people want the end of the dictator

Mosh ha nimshi, howa yimshi – We won’t leave, he must leave

Yasqot yasqot Hosni Mubarak – End end Hosni Mubarak

Erhal erhal – Leave leave

The revolution will not be televised ?

28. Januar 2011

The revolution is being televised!

Al Jazeera English: Live Stream

Schafft das Geld ab …*

27. Januar 2011

Ich sage das hin und wieder mal, hier und woanders, mache auch schon mal konkrete Vorschläge, wie man damit anfangen kann, und ernte dafür meist mitleidig lächelnde Blicke und wohlwollendes Schweigen. Immerhin gibt es aber in Oakland eine Frau, die ganz genau die gleichen Ideen hat (sie vergleicht sogar ganz allgemein Lohnarbeit mit Prostitution) und diese ausführlich auf ihrer Seite „The End of Money“ zur Debatte stellt. Mit leider bisher ebensowenig Widerhall.

Vielleicht mag sich ja der eine oder die andere ihr schönes, gescheites Video ansehen, das ich heute bei „keimform“ entdeckt habe (vielen Dank!)

* …bevor es uns abschafft!

Lob des Kommunismus

6. Januar 2011

Aus gegebenem Anlaß die Stimme von Therese Giehse mit dem Text von Bertold Brecht (und Eislers Musik):

lob-des-kommunismus.mp3

(nachträglich: der Text davon)

Er ist vernünftig, jeder versteht ihn. Er ist leicht.
Du bist doch kein Ausbeuter, du kannst ihn begreifen.
Er ist gut für dich, erkundige dich nach ihm.
Die Dummköpfe nennen ihn dumm, und die Schmutzigen nennen ihn schmutzig.
Er ist gegen den Schmutz und gegen die Dummheit.
Die Ausbeuter nennen ihn ein Verbrechen.
Wir aber wissen:
Er ist das Ende der Verbrechen.
Er ist keine Tollheit.
Er ist nicht das Chaos
Sondern die Ordnung.
Er ist das Einfache
Das schwer zu machen ist.

„Wir sind das Volk – Wer seid ihr?“

3. Oktober 2010

Und: „Oben bleiben, Lügenpack!

Das rief am 3.Oktober 2010 eine Gruppe von Zuhörern bei der Rede des bösen Bundeswulffs in Bremen.

Die Leute wurden standrechtlich erschossen.

Amnesty protestierte.

Der „Stern“ berichtete drüber.

Wie macht man eine Revolution

29. September 2010

Die Weisheit des Straßenkehrers:

Beppo liebte diese Stunden vor Tagesanbruch, wenn die Stadt noch schlief. Und er tat seine Arbeit gern und gründlich. Er wusste, es war eine sehr notwendige Arbeit. Wenn er so die Straßen kehrte, tat er es langsam, aber stetig: Bei jedem Schritt einen Atemzug und bei jedem Atemzug einen Besenstrich. Dazwischen blieb er manchmal ein Weilchen stehen und blickte nachdenklich vor sich hin. Und dann ging es wieder weiter:

Schritt – Atemzug – Besenstrich.

Während er sich so dahinbewegte, vor sich die schmutzige Straße und hinter sich die saubere, kamen ihm oft große Gedanken. Aber es waren Gedanken ohne Worte, Gedanken, die sich so schwer mitteilen ließen wie ein bestimmter Duft, an den man sich nur gerade eben noch erinnert, oder wie eine Farbe, von der man geträumt hat.

„Siehst Du, es ist so: Manchmal hat man eine sehr lange Straße vor sich. Man denkt, die ist so schrecklich lang; das kann man niemals schaffen, denkt man.

Und dann fängt man an, sich zu beeilen. Und man eilt sich immer mehr. Jedes Mal, wenn man aufblickt, sieht man, dass es gar nicht weniger wird, was noch vor einem liegt. Und man strengt sich noch mehr an, man kriegt es mit der Angst, und zum Schluss ist man ganz außer Puste und kann nicht mehr. Und die Straße liegt immer noch vor einem.

So darf man es nicht machen. Man darf nie an die ganze Straße auf einmal denken. Man muss nur an den nächsten Schritt denken, an den nächsten Atemzug, an den nächsten Besenstrich. Und immer wieder nur an den nächsten. Dann macht es Freude; das ist wichtig, dann macht man seine Sache gut. Und so soll es sein.

Auf einmal merkt man, dass man Schritt für Schritt die ganze Straße gemacht hat. Man hat gar nicht gemerkt wie, und man ist nicht außer Puste. Das ist wichtig.“

aus „Momo“ von Michael Ende

(dies als kleine Erläuterung zum vorherigen Vorschlag!)

Ein Vorschlag, wie man „S21“ besiegen kann

28. September 2010

Liebe Stuttgarter Bahnhofsschützer

Ich finde eure fast täglichen Demonstrationen wirklich beeindruckend. Allerdings habe ich Zweifel, ob sich auch die Herrschaften des regierenden korruptiv-demagogischen Komplexes von ein paar zigtausend Leuten mit guten Argumenten überzeugen lassen.

Es gibt aber eine Seite, von der diese Herrschaften sich sehr empfindlich zeigen, und das ist das Geld. Regelmäßige Bahnfahrer sind sicher (neben Umweltbewußten und Konservativen) die Bevölkerungsgruppe, die euren Protest am nachhaltigsten unterstützt. Sie leiden täglich unter den Folgen der Misere der Bahn, die auch durch sinnlose Mammutprojekte mitverursacht wird.

Mein Vorschlag: die Verkehrsinitiativen und Bahnhofsschützer rufen einen bestimmten Tag zum allgemeinen Bahn-Protest-Tag aus. (und zwar bundesweit!) Ihr bittet alle aktiven Bahnfahrer, sich im Internet an der Aktion zu beteiligen, indem sie erklären, daß sie an diesem Tag ohne Ticket mit der Bahn fahren werden.

Die Aktion findet nur statt, wenn mindestens 300.000 Leute aktiv mitmachen. Wird diese Quote erreicht, verteilen alle Teilnehmer an jenem Tag Zettel in den Zügen, mit denen sie alle Mitreisenden dazu auffordern, ihre ggf. vorhandenen Fahrscheine ebenfalls nicht bei der Kontrolle vorzuzeigen.

Erfolgreich ist die Aktion, wenn die Bahn (am Besten schon vorher angekündigt, von sich aus) an diesem Tag auf Kontrollen verzichtet. Wenn das geklappt hat, wird die Aktion wöchentlich, vielleicht irgendwann auch täglich wiederholt, bis die Bahn das Projekt „Stuttgart21“ stoppt. Und wenn das geklappt hat, kann man immer noch weitermachen, bis das Menschenrecht auf Mobilität durchgesetzt ist, also konkret der Nulltarif in öffentlichen Verkehrsmitteln.

Das Letztere mag jetzt etwas utopisch sein, aber den ersten Schritt dorthin könnte man doch tun. Was denkt ihr?

Nachtrag: Es gab übrigens in Deutschland schon mal eine Bewegung, die solche Methoden einsetzte, um eine menschenfreundliche Verkehrspolitik zu  propagieren: die „Roter-Punkt-Demos“.

Ergänzung: Und Einer hat schon mal angefangen. Bezahlt schon seit 20 Monaten nicht mehr fürs Bahnfahren.

Zusatz: ein Kommentator erinnert mich dran, ich wollte doch noch den passenden Soundtrack dazutun:

„Du bist nicht allein“ (Programmtip)

11. September 2010

Bitte unbedingt heute abend diesen wunderschönen Spielfilm ansehen. (Um 21:40 Uhr im WDR). Von Bernd Böhlich, mit Axel Prahl und Katharina Thalbach. Eine traurig-fröhliche Liebesgeschichte, eine melancholische, warmherzige Tragikomödie. Und es geht um mein Lieblingsthema, aber das steht in keiner Programmzeitung. Ich habe es letztes Jahr im „rauskuck“ so beschrieben:

Filme mit Axel Prahl sind ja eigentlich immer gut.
Frau Moll, stolze Neubesitzerin eines Arbeitsplatzes bei einer Security-Firma, muß erkennen, daß sich in der von ihr gewissenhaft bewachten Fabrikhalle nichts als gepresste Luft befindet.
Der Physiker Wellinek erregt beim „Arbeitsamt“ Anstoß mit seiner Forderung nach einer Arbeit. Man will ihn als Gärtner einsetzen und kann nicht verstehen, daß er nicht wegen „Leistungen“ gekommen ist, sondern um etwas zu leisten.
Seine früheren Schüler verdingen sich als lebende Handyattrappen.
Frau Wellinek ist Schauspielerin und weigert sich (vergeblich), ihre Stimme für Telefonsex-Gesäusel zu verkaufen.
Und ständig, ganz nebenbei, arbeiten alle Beteiligten mit Freude mit- und füreinander und ohne je einen Lohn zu verlangen.
Das Thema „Arbeit“ und die Frage nach dem Sinn der Arbeit durchzieht diesen wunderbaren Film.
Fragen drängen sich auf:
Warum müssen wir dem Staat gegenüber unseren Willen zu arbeiten beweisen. Warum fordern wir nicht endlich, daß der Staat sich darum kümmert, daß Jeder das machen kann, was er kann, was er gerne macht, und was einen Sinn hat. Warum wird jede sinnlose Tätigkeit als Arbeit anerkannt, sobald dafür ein Lohn bezahlt wird. Warum sind unsere von der Verfassung garantierten Rechte (auf Leben, auf Wohnung, auf Arbeit, auf Würde) in der Realität so wenig wert.
Wie lange wollen wir uns von einem offenbar nicht funktionierenden System noch schikanieren und gegeneinander aufhetzen lassen.
Arbeit ist jede sinnvolle zielgerichtete produktive Tätigkeit. Für gute Arbeit Geld anzunehmen ist nichts anderes als Prostitution. Lohn führt direkt zur Korruption. Lohn macht aus Sklaven Lohnsklaven. Freie Menschen arbeiten aus freiem Willen. Und Karstadt gehört in Volkes Hand!