Archive for the ‘local heroes’ Category

Nächtlicher Bodennebel

2. Oktober 2011

Wenn ich hier schon nix mehr schreibe:

(zum Vergrößern draufklicken.)

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Subversive Eintöpfe

8. Oktober 2010

heute im Supermarkt gesehen:

 

Stellenangebot als Rauskucker/in

7. Juni 2010

Das Blog hier ist für mich nur eine Spielwiese, ein Hobby. Meine wirkliche Arbeit findet drüben im „rauskuck“ statt. Dort schreibe ich jeden Tag auf, was ich meinem Videoarchiv hinzugefügt habe. Die Seite ist damit Inhaltsverzeichnis und Register des Archivs.

Um welche Inhalte es dabei geht, kann man einfach drüben im Themenarchiv nachsehen. Ich habe dort auch eine Seite „Was das alles soll“, die sollte zur Erklärung genügen.

Der „rauskuck“ beginnt im Herbst 2007. Meine Sammlung geht aber zurück bis 1993. Und das ist das Problem. Eine Sammlung ist nämlich noch kein Archiv. Ich habe damals noch auf VHS aufgenommen (immerhin nach Themengebieten sortiert) und meist die Inhalte auf Zetteln notiert. Eine gezielte Suche nach bestimmten Inhalten ist aber schwierig. Ich möchte darum gerne die alten Sachen (jedenfalls zum Teil) digitalisieren und gleichzeitig inventarisieren. Vor allem geht es um meine TV-Mitschnitte von Beiträgen über den ruandischen Völkermord und die Folgen (etwa 100 VHS-Bänder). Den US-Krieg gegen den Irak (ab 2003) habe ich auch gesammelt (etwa 30 Bänder und etliche DVDs), falls das jemand gebrauchen kann. Und dann die ganzen Afrika-, Ökologie- und Geschichtssachen und Einiges mehr.

Ich kann das aber unmöglich selber schaffen. Ich habe so schon jeden Tag etwa 6-10 Stunden mit dem „rauskuck“ zu tun, und komme oft genug mit dem Aufschreiben der Aktualitäten nicht hinterher.

Darum dieser Suchaufruf. Ich brauche Jemanden, der/die interessant und wichtig findet, was ich da mache und der/die Lust hätte, daran mitzuwirken (und der/die natürlich mit einem Computer umgehen kann und vielleicht sogar Ahnung von Datenbanken hat.) Und idealerweise Jemanden, der/die besser französisch versteht als ich. (Die Afrika-Sachen sind zu einem großen Teil von TV5.)

Zwei Probleme gibt es aber:
1. ich sehe keinen Weg, das als Telearbeit zu gestalten. Ideal wäre, wenn Du auch hierher ins Hochhaus (mit Meerblick) ziehen würdest.
2. ich kann keinen Lohn zahlen. Ideal wäre also, wenn Du Rente oder (wie ich) Sozialhilfe beziehen würdest. (Solltest Du ein Millionenvermögen besitzen, wär mir das aber auch recht.)

Ich habe natürlich auch immer noch die Hoffnung, irgendwann mal eine juristische oder wissenschaftliche Einrichtung zu finden, die sich für meine Sammlung/mein Archiv interessiert und mich aus diesen prekären Umständen herausholt.

Darum geht’s: über 100 Videobänder zu Ruanda, verstaut in Tee- und Keksdosen.


Feuer im achten Stock (Bremerhaven)

8. Februar 2010

Bei uns hat es gebrannt. Nachts um halb eins klingelt die Polizei das ganze Haus wach, aufgeregt stellen meine Nachbarn und ich fest, daß zwei Stockwerke unter uns Flammen aus einem Fenster schlagen, draußen ist alles voll Qualm. Aus meiner Sicht zum Glück, ist es auf der anderen Seite des Hauses.

Kurz darauf kommen die Polizisten bei uns an (die Fahrstühle sind bereits außer Betrieb), hämmern an die Türen und teilen Jedem mit, daß wir uns warm anziehen und dann das Haus verlassen sollen. Rollstuhlfahrer werden hinuntergetragen. Ich habe mir in zwei Minuten was übergezogen und laufe dann auch runter, auf der Treppe kommen mir Feuerwehrmänner mit Atemschutzgeräten entgegen.

Unten bin ich froh, die ganze Etage wohlbehalten anzutreffen, und gehe dann über den eisglatten Spielplatz, um mir von der anderen Seite aus anzusehen was passiert. Die Feuerwehr hat von der Straße aus eine lange Drehleiter ausgefahren, kommt von dort aber nur halbwegs an die brennende Wohnung heran. Sie brauchen ziemlich lange, etwa eine dreiviertel Stunde, bis das Feuer aus ist. Eine Wohnung weiter, zwei Etagen höher… hätte es schlimmer enden können. Wir haben auf jeder Etage einen Löschschlauch, aber anscheinend war es wohl zu gefährlich, vom Flur her zum Löschen reinzugehen.

Die Leute aus den Stockwerken 8 (wo das Feuer war) bis 16 (ganz oben) sind alle draußen.  Es hat jemand Busse der VGB organisiert, dort dürfen wir im Warmen abwarten (draußen sind es acht Grad minus), dort bin ich dann auch hingegangen.

Erstaunlich, wie viele mir unbekannte Gesichter ich dort vorfinde. In zehn Jahren hat man doch noch längst nicht jeden Hausbewohner kennengelernt. Manche haben sich nicht mal feste Schuhe angezogen und sitzen in Schlafzeug, mit Hausschuhen und einer übergeworfenen Jacke da. Die Feuerwehr bringt dann hilfreich Decken herbei. Die Stimmung ist etwas angespannt, aber man hält sich mit Sprüchen („Hast du deine Herdplatte ausgemacht?“) und abgeklärtem Gehabe bei Laune.

Gegen drei bringen uns Polizisten dann etagenweise wieder hoch. Auch jetzt werden Einige die Treppen hochgetragen, denn der Fahrstuhl ist durch das Löschwasser außer Dienst gesetzt. Im ganzen Haus stinkt es, alle Außentüren auf den Fluren stehen offen, damit der Rauch abziehen kann. In die Wohnungen (auch die über dem Brandort) ist aber dank der neuen Isofenster fast kein Qualm gelangt.

So war es dann nur die Aufregung, die einen guten Schlaf noch verhinderte. Heute früh hieß es im Radio, ein 20-Jähriger habe (möglicherweise fahrlässig) das Feuer in seiner Wohnung verursacht, selber die Feuerwehr alarmiert, und sei, ebenso wie zwei Beamte, mit Rauchvergiftung im Krankenhaus. Sachschaden über 100.000 Euro. Die achte Etage ist erstmal wegen Qualm und Löschwasser komplett unbewohnbar, die Leute wurden von der Gewoba zunächst in anderen Häusern untergebracht.

Jetzt werden Fenster repariert, der Fahrstuhlschacht wird ausgesaugt, man hört Gehämmer und Kreissägen, sieht Elektriker und Beamte – es ist was los.

Irgendwelche kritischen Anmerkungen? – Nein, keine. Die Mitarbeiter der Notdienste haben ihren Job professionell, unaufgeregt, freundlich und engagiert erledigt. Die Organisation hat im Großen und Ganzen gut geklappt.  Die komplette Evakuierung der oberen neun Etagen war vielleicht im Nachhinein nicht nötig. Aber ganz bestimmt in dem Moment die richtige Entscheidung.

Nächstes Mal sollten sie allerdings mit dem Leiterwagen ums Haus rumfahren. Von dort wäre man leichter an die brennende Wohnung rangekommen. Der Weg dorthin ist breit genug.

Eine politische Bewertung? – Ja. Ich bin froh, in einem Staat zu leben, der sich dank der Steuerzahlungen seiner Bürger funktionierende öffentliche Notdienste leisten kann, daß wir nicht „Jeder für sich selber“ sorgen müssen, wie es die Marktextremisten von der FDP (zunächst mal z.B. im medizinischen Bereich) gerne hätten.

c/ Volkmar Dantzer

c/ Hartmut Ziembiewicz

…mit „Ge“, wie „gemeinnützig“ (Folge 2)

27. Januar 2010

Neben unserm Haus standen zwei wunderbare, gesunde, 22 Meter hohe und etwa 35 Jahre alte Pappeln. Letztes Jahr fuhren monatelang die schweren Baufahrzeuge über ihre Wurzeln. (Siehe Folge 1.)

Nun hat unsere „Ge“woba in ihrer unerforschlichen Ratlosigkeit sich entschlossen, beide Bäume zu fällen. Es hatte sich wohl irgendein Arschloch Mitbewohner aus den unteren Stockwerken beklagt, daß bei ihm die Sonne im Sommer nicht wie bei den unbeschatteten Wohnungen für Saunatemperaturen sorgt. Jetzt verlieren also etwa acht Mieter ihren Sonnenschutz und alle Nachbarn und Anwohner zwei Freunde. Informiert oder gar um unsere Meinung gefragt hat uns, wie üblich, niemand. Die Kosten für den tagelangen Sägelärm dürfen wir alle per Umlage natürlich auch noch begleichen.

Und die Leute, die das ausführen, halten sich tatsächlich für „Arbeiter“, ihnen macht der Job „an der frischen Luft“ Spaß, und sie schämen sich nichtmal, dafür auch noch Geld anzunehmen.

„GeWoBa“, mit Ge wie „gemeinnützig“

26. August 2009

Als ich vor zwei Jahren mit der Internet-Schreiberei anfing, habe ich mal angekündigt, mich nicht nur um das große Ganze kümmern zu wollen, sondern auch um die kleinen Schweinereien bei mir vorm Fenster. Eine solche findet gerade statt.

„Wir können Ihnen die erfreuliche Mitteilung machen, dass…“, so fängt die Hölle an. Mit einem netten Brief verkündete im April meine WoBa, daß demnächst zwecks Wärmedämmung unser Hochhaus einige Monate zur Baustelle werde und danach die Miete erhöht werde. Der Brief beschäftigte sich vor allem mit der Berechnung der finanziellen Folgen für die Mieter. Man bat dann noch um die Zustimmung dafür, daß man mit den Arbeiten sofort beginnen dürfe.

Ich habe damals zurückgeschrieben.

„Sehr geehrte Frau …
Zunächst möchte ich Ihnen dafür danken, daß Sie diesmal die Mieter vor  dem Beginn von Baumaßnahmen um Zustimmung bitten.
Meine Antwort: NEIN!
1. Nein, ich bin nicht damit einverstanden, Sie von der 3-monatigen Ankündigungsfrist zu entbinden.
2. Nein, ich bin auch mit den angekündigten Maßnahmen nicht einverstanden.
Begründung:
– Die von Ihnen berechnete Mieterhöhung von 16,87 Euro ist angesichts meiner monatlichen Heizkosten von  zuletzt ca. 29 Euro nicht angemessen.
– Ich halte diese Mieterhöhung auch für unangemessen angesichts der gerade mal 8 qm Wandfläche, die bei mir zu isolieren wären. Meine Außenwand besteht überwiegend aus (jetzt bestens isolierter) Fensterfläche.
– Ich bin auch nicht damit einverstanden, daß die Fläche meines Balkons um ca. 1/2 qm (durch die dicke Isolierungsschicht) verkleinert wird.
– Nach den erheblichen Beeinträchtigungen durch den Einbau der (hässlichen und unpraktischen) neuen Kunststoff-Fenster letztes Jahr bin ich nicht bereit, schon wieder für Ihren sinnlosen Aktionismus Zeit und Lebensqualität zu opfern.
– Durch den Klimawandel ist in Zukunft kaum noch mit kalten Wintern zu rechnen.  Dafür aber vermehrt mit heißen Sommern. Die Kosten für (elektrische) Kühlung werden schon bald weit über den Heizkosten liegen. Sie sollten deshalb lieber in geeignete Sonnenschutzsysteme investieren und mit den Mietern über entsprechende Lösungen nachdenken.
Schönen Gruß …“

Darauf bekam ich immerhin eine Antwort. Man nehme meine „Ablehnung zur Kenntnis“, jedoch: „letztendlich sind Sie als Mieter jedoch verpflichtet, die Durchführung der Maßnahme zu dulden.“  Man ging sogar kurz auf eines meiner Argumente ein: die Dämmung würde nämlich auch im Sommer eine Isolierung gegen Hitze von außen bewirken. – (Ich muß wohl nicht erläutern, daß das Unsinn ist. Die Hitze kommt durchs Fenster.)  – Hierzulande ist es offenbar unüblich, solche Umbaupläne mit den Bewohnern durchzusprechen und an deren Wünsche anzupassen.

Seit zwei Monaten sind sie jetzt am „Arbeiten“. Zum Glück erstmal auf der anderen Gebäudeseite. Die alten Schieferplatten Asbestplatten* an der Nordseite wurden heruntergerissen und zerstört, der Beton an der Ostseite wurde mit Wasserdruckstrahl gereinigt, und dann eine etwa 30 cm dicke Schicht aus billigstem Schaumstoff Schaumstoff und Steinwolle angebracht. Um diese zu verankern, werden Dübellöcher gebohrt. Von morgens 7:00 Uhr bis 17:00 Uhr, fast pausenlos, ich weiß nicht mehr genau seit wieviel Wochen. Und der Beton ist sehr gut, das heißt man hört es im ganzen Haus und laut. An normales Arbeiten ist dabei kaum noch zu denken.

Die meisten Leute die hier wohnen, leben von Transferleistungen. Hartz-4-ler, Rentner, Blogger und andere Lebenskünstler, Sozialfälle. Es hätte für sie keinen Sinn, wegen der menschenunwürdigen Lärmbelastung eine Mietminderung zu verlangen. Diese wäre an den Staat zurückzuzahlen.

Anschließend wird alles neu gestrichen, in durchaus geschmackvollen Farben. Da sind sie jetzt bei, irgendwo bohren sie aber auch immer.

Inzwischen fangen sie auf meiner Seite an. Zunächst wird das Gerüst gebaut. Da wo dieses jetzt steht, war vorher ein unordentliches Gebüsch, nichts Besonderes, aber immerhin 35 Jahre alt. Es wurde teilweise kurzgeschnitten, überwiegend aber mit den Wurzeln herausgerissen.

Etwa 10 Meter vom Haus stehen drei schöne 20 Meter hohe Pappeln. Über deren zum Haus weisende Wurzeln fahren jetzt ständig schwere Baufahrzeuge, der alte Trampelpfad ist zur Piste geworden. Muß ich erwähnen, daß der Rasen rundherum von den LKW der „Arbeiter“ plattgewalzt worden ist?

Die Westseite, meine Seite, ist dem hiesigen feuchten Wetter ausgesetzt. An den Balkonbrüstungen und an den Sichtsperr-Elementen haben sich überall Flechten angesiedelt. Flechten brauchen Licht und Wasser, hier haben sie beides. Sie wachsen sehr langsam, und um diese Ausdehnung zu erreichen, haben sie 35 Jahre gebraucht. Auf die Stabilität des Betons haben sie keine Auswirkungen. Wenn überhaupt, kann ihre Beseitigung zu einer Beschädigung führen.  Man muß sie nicht schön finden, kann es aber. Ich finde sie sogar sehr schön.

Demnächst werden sie also per Wasserstrahl entfernt. Wenn sie in 35 Jahren wieder die jetzige Größe erreicht haben werden, werde ich wohl tot sein, so wie fast alle die ich kenne, auch die Hausbewohner und die GeWoBa-Leute. Das Haus wird unten im Nordseewasser stehen, die Isolierung wird herunterblättern, durch die Dübellöcher wird der Beton allmählich erodieren. Die meisten Fenster werden zersprungen sein. Die Hitze im Sommer wird für die letzten noch hier Ausharrenden unerträglich sein.

Aber die Aussicht ist immer noch toll.

Da war es noch ruhig.

Da war es noch ruhig.

Balkonflechten

Balkonflechten

Nachtrag I und Korrektur: die schwarzen Platten, die wie Schiefer aussahen, waren nur Eternit. Bei deren Entfernung haben die Arbeiter Atemschutzmasken getragen.
Bei der bis heute andauernden extrem lauten Bohrerei tragen sie dagegen keinen Gehörschutz. Allein auf meinem Balkon habe ich 24 Bohrlöcher gezählt. Man hat aus unerfindlichen Gründen auch die  Trennwände zwischen den Balkonen in Isowolle verpackt.
Jetzt kommt die Südseite dran, ein Ende ist allmählich absehbar.  (13.10.09)