Archive for the ‘Zeitenfenster’ Category

11.2.11

11. Februar 2011

Gibt es eigentlich schon eine Verschwörungstheorie zu diesem Datum? Ich meine: 11211 ?!

 

(Falls nicht: das war ich.)

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Hosni Hosni Checheche

11. Februar 2011

ein kurzeslife block

http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2011/02/11/dlf_20110211_1854_1da8a842.mp3

Sie sagt, sie will die Demokratiebewegung auch in Deutschland unterstützen. Auch wenn sie das anders meint, aber: die hätten wir dringend nötig. Die Leute hier wissen doch überhaupt nicht mehr, was Demokratie ist, und warum das sowas tolles wäre.

Ich meine, ihr habt jeden Grund auf uns alle sauer zu sein, daß wir von eurem Elend profitiert haben, im Sommer zu euch runtergefahren sind um uns dort das malerische Elend und die Pyramiden anzugucken, manche euch noch abfällig als arme Neger verachten, und uns dann am Tag eurer Revolution nicht für euch zu interessieren? Ich bin ja auch sauer auf uns.

Bis jetzt kein Autokorso da unten bei mir.

„Wir sind das Volk – Wer seid ihr?“

3. Oktober 2010

Und: „Oben bleiben, Lügenpack!

Das rief am 3.Oktober 2010 eine Gruppe von Zuhörern bei der Rede des bösen Bundeswulffs in Bremen.

Die Leute wurden standrechtlich erschossen.

Amnesty protestierte.

Der „Stern“ berichtete drüber.

Jauch vermeidet Hoffenheim und taz

20. September 2010

im alter wir man langsamer. aber nicht dümmer.

wenn jauch format hätte, hätte er vorhin mit dem fußballklugen kandidaten erstmal eine halbe stunde über die Stinkreichgauer diskutiert. jauch hat aber kein format.

zuvor ist er schon der diskussion mit dem wahrheits-redakteur der taz ausgewichen.

den bekifften jungen hoffenheimhasser von eben dagegen, den würd ich gern mal zu einem sport-und-politik-gespäch zwischen grüner und grauer generation einladen. und ich erzähl dabei dann dem (und euch) was vom kerpener und von der wand vor seinem brett. paul wird auch da sein.

Nachtrag: und hier das Video dazu

Was den taz-Redakteur angeht, entlastet das Video Herrn Jauch, weil es doch jener war, der auf Jauchs Gesprächsangebot nicht einging. Aus seiner Sicht hat er den Vorgang heute (Montag) in der taz geschildert: „Bei Anruf Günter“

Everything Crash

19. September 2010

Ein Nachtrag zum Artikel „Eine Energie mit Zukunft“ und der dort geführten kleinen Diskussion. Den Soundtrack dazu habe ich heute irgendwo aufgeschnappt:

Edit: Sony, diese Drecksbande!

The Ethiopians, von 1968. Der Text geht so:

Look deh now, everyting crash!
Firemen strike, watermen strike
Telephone company too
Down to policemen too!
What damn bad a-morning, can’t come good a-evening, whoi!
Every day carry bucket to the well,
One day the bottom ( …) must drop out.
What gone bad a morning
Can’t come good a evening

Eine Energie mit Zukunft

7. September 2010

Gegen das Weiterlaufenlassen der Atomreaktoren gibt es noch ein ganz anderes Argument, das ich mal zu erklären versuchen will. (Sollte Jemand unter den Lesern dazu passende Links wissen, bitte her damit!)

Im Grunde weiß es Jeder, auch und gerade die vor sich hinregierende korrupte Deppenbande: Es geht zuende mit dieser Zivilisation. Es wird irgendwann in einigen Jahren eine Welt geben ohne zentrale Staaten, ohne zentrale Versorgungssysteme, ohne irgendwas von dem, woran wir uns gewöhnt haben. Es wird aber noch Menschen geben, wenn auch, dank der Verantwortungslosigkeit unserer Eliten und wegen der dann unerbittlich zuschlagenden ökologischen Fakten, erheblich weniger als heute. Je später der Zusammenbruch erfolgt, desto weniger.

Ab dem Tag, an dem die Stromnetze zu Existieren aufgehört haben werden, wird es Niemandem, auch mit allem zunächst noch vorhandenen Ingenieurswissen, möglich sein, einen Kernreaktor auch nur herunterzufahren, geschweige denn, den Kernbrennstoff herauszuholen und in so etwas wie ein Dauerlager zu bringen. Diese Reaktoren mit den darin enthaltenen Tonnen an hochangereichertem Spaltmaterial werden für die nächsten Jahrmillionen dort herumstehen, weiterstrahlen und irgendwann verrosten. Wenn sie nicht schon am ersten Tag durchgeschmolzen sind und sich auf den Weg nach China Australien gemacht haben. Sie werden für Tausende von kommenden Generationen eine tägliche Bedrohung darstellen, um sie herum wird es dauerhafte Todeszonen geben, von denen sich bestenfalls das Wissen erhalten wird, daß menschliches Leben hier nicht möglich ist. Das Schlimmste ist, daß sie ein „Wiederhochfahren“ einer irgendwie gearteten technischen Zivilisation auf Jahrmillionen behindern, wenn nicht unmöglich machen werden. Ähnliche Wirkungen gehen auch von Chemieanlagen und vielen anderen Hinterlassenschaften der kapitalistischen Epoche aus, aber meist nur zeitlich begrenzt.
Kommende Generationen im dann früheren Deutschland werden Frau Merkel und ihren „Atomkompromiß“ dafür verfluchen, daß sie es verhindert hat, daß die Reaktoren rechtzeitig abgeschaltet und eingemottet wurden. Obwohl: auch nach dem rot-grünen Ausstiegsplan wäre es in einigen Fällen wohl dafür zu spät geworden.

In (einem noch unveröffentlichten Kapitel) meiner Erzählung „Das Zeitenfenster“ habe ich übrigens eines dieser früheren Kraftwerke erwähnt, das der Erzähler in etwa 5000 Jahren immer noch am Horizont sehen kann. Genauer gesagt: die ewige Dampfwolke, die dort entsteht, wo der Reaktor das Wasser des um etwa 10 Meter angestiegenen Meeres zum Kochen bringt.

Links vom Tage

21. August 2010

Die Tagesschau meldet den Tod von Christoph Schlingensief. Immerhin. Aber nicht den (inzwischen wieder aufgehobenen) Haftbefehl gegen Julian Assange (nächster Friedensnobelpreisträger) in Schweden.

Interessanter heute (mal wieder) der Deutschlandfunk, der sogar in der 18-Uhr-Info-Sendung mit Schlingensief aufmacht.

Davor gab es ein wirklich hörenswertes Gespräch mit Harald Welzer über die Dummheit der zur Zeit Regierenden und speziell die Kurzsichtigkeit der alten Männer, die da heute per Anzeigen in der FAZ und anderswo solchen lächerlichen Unsinn verzapft haben. Männer ohne Perspektive. There is an alternative! Man kann die Sendung („kultur heute“) leider nur als Ganzes anhören. Aber wieso leider?

Zum selben Thema auch der Blindenhüter.

Falls jemand auf eine neue Folge der „Zeitfenster“-Geschichte wartet: dauert etwas länger diesmal. Der Autor hat sich in einem Zeitloch festgefahren. Einstweilen dies:

That’s The Last Time I Fool Around With The Time Space Continuum

„Sind die Superreichen eigentlich Außerirdische?“

Schariah für Alle!

Passend zu Assange: Warum Zensur nicht mehr geht. Gar nicht.

Alle weiteren schönen Links hat Dr. No gefunden und lecker verpackt: Puten, Paten, Psychopathen. (Seiner Begründung, warum er so wenig schreibt, kann ich mich anschließen. Ich kann ja nichtmal alles lesen…)

Nicht nur Sarkotzy läßt das dreckige Zigeunerpack hinausschaffen. (bitte nicht wieder fragen: nein, nicht ich habe etwas gegen die.)

Wie schön, es gibt doch noch Konservative!

(Ergänzung: ein wirklich lesenswerter Artikel zum bürgerlichen Widerstand gegen „S21“ in der „Zeit“.)

Ach, die hübscheste Meldung des Tages. Ich habe mich bei Kristina Schröder zu entschuldigen: sie hat heute etwas sehr Vernünftiges von sich gegeben. Sie hat davor gewart, die Kinderchips der Lügnerin würden Bewegungsprofile ermöglichen. Leyen nennt das „abwegig“.

So, das soll reichen, den Rest hab ich vergessen. Über Assange gibt’s noch nicht viel zu lesen, aber die Diskussion bei Linus wird sicher interessant. Das Video ist auch mal interessant.

Ach, und den noch, von gestern: im Listening Post (zweiter Beitrag im Video) ein Bericht über die mediale Vor-und Nachbereitung des CIA-Putsches gegen Mossadegh 1953:

Nachtrag: Wolfgang Michal hat herausgefunden, nach welcher Methode Pentagon und CIA gegen WikiLeaks vorgehen. Zu dicht an der Wirklichkeit, um drüber lachen zu können:

Sieben todsichere Methoden, Wikileaks zu erledigen. Eine Satire

Das Zeitenfenster (Fünfte Folge)

8. August 2010

Wieder hatte ich keine Vorstellung, wie es weitergehen sollte, nur einen Anfang. Darf man beim Schriftstellern mitten während der Arbeit kochen? Ich habe einen herrlichen Brokkoli aus Mutters Garten mit Schafskäse und viel Knoblauch zubereitet und verspeist, und dabei weitergeschrieben. Weil alle handelnden Personen schon ihre eigenen Kapitel bekommen haben, heißt das Nächste:

5. weltraffer

zuerst fiel ihm nur auf, daß da draußen kein wasser war. statt der graublauen fläche, die sich bis zum horizont erstreckte, sah romani zwei hochhäuser wie seines, dazwischen einige große bäume, einige bunte kisten, grüne flächen, graue flächen. ein gewirr von grün und grau zog sich über die ganze aussicht. nur ganz in der ferne konnte er einige streifen wasser erkennen, dort gab es auch ein paar riesige kästen,wie auf der seite liegende hochhäuser, und dazwischen sehr seltsame gebilde, die wie die erstarrten skelette von tieren in die luft ragten.

die sonne schien nicht mehr, der himmel war mit dichten wolken bedeckt. jetzt bemerkte romani, daß dort draußen keine bewegung war. kein wind ließ die blätter der bäume zittern, auch die wolken standen still. und als er genauer hinsah, entdeckte er da unten menschen, die herumstanden wie puppen. sie waren in bunte kleider gehüllt, einer saß auf einem drahtgestell mit großen rädern, und alle rührten sich nicht von der stelle.

romani hatte einige minuten so still beobachtend am fenster gestanden. ihm fiel ein, daß er sich das näher ansehen wollte, vom balkon aus. während er einen schritt auf die tür hin machte, änderte sich draußen plötzlich das bild. die bäume waren kahl geworden, die erde weiß, die menschen waren verschwunden. nur die häuser blieben, und die eisenskelette in der ferne. der himmel war jetzt blau mit dicken weißen wolken. er stellte fest, daß mit jeder bewegung, die er im raum tat, dort draußen hinter dem fenster ein anderer zeitabschnitt auftauchte. als er wieder in der tür stand, war auch die katze wieder da, stand neben ihm auf der türschwelle und sah ihn fragend an. draußen war wieder seine gewohnte wasserwelt.

romani bückte sich hinunter zu dem tier und berührte es vorsichtig, was diesem zu gefallen schien. er hob alexi mit beiden armen hoch und hielt ihn vor seiner brust sachte fest. das tier gab ein wohliges schnurren von sich.  so, mit der katze auf dem arm, ging er wieder zu dem sehspalt am fenster. wieder war die grau-grüne welt mit menschen auf drahträdern zu sehen, aber jetzt war sie nicht mehr im stillstand, menschen gingen herum, der radfahrer bog um die ecke, eine der bunten kisten zog fort, in der ferne waren noch viel mehr von diesen bunten kisten zu sehen, die auf schmalen streifen hin und her fuhren, auch eines der liegenden hochhäuser auf einem der wasserstreifen glitt langsam zur seite. die blätter an den bäumen wackelten im wind. am himmel endeckte romani einen schwarm vögel, der in kreisen herumflog und sich dann auf dem dach eines kleinen hauses mitten zwischen bäumen niederließ. zu hören war von alledem nichts. nur alexi schnurrte weiter auf romanis arm.

wenn romani einen kleinen schritt zur seite machte, war draußen wieder winter. kehrte er, mit der katze im arm, zurück an die vorherige stelle, konnte er den taubenschwarm wieder mit der gleichen steilen kurve landen sehen. seine möglichkeit, sich eine draußenzeit auszuwählen, war dabei beschränkt durch den schmalen sichtspalt im weißen vorhang. er versuchte, den spalt mit einer hand etwas zu verbreitern, aber das half nicht, im selben moment verschwand jedes bild und das fenster wurde schwarz. er entdeckte aber ein kleines stück weiter von der tür entfernt einen zweiten, noch schmaleren spalt.

seine mutter hatte ihm einmal jenes alte foto gezeigt, das sie in einer blechdose verwahrte, von einem  blumenkohl, wie sie ihn im dachgarten anbauten, nur viel größer, so riesig wie ein hochhaus. mali hatte das „den Atomkohl“ genannt*, so einen blumenkohl sah er auch jetzt, wie er mit Alexi durch den zweiten spalt hinaussah. ein langer weißer streifen zog sich quer über den himmel,  senkte sich schnell dort hinten zwischen die spinnenartigen skelette und die liegenden hochhäuser bei den wasserbecken, dann gab es einen sehr hellen blitz und dann wuchs der blumenkohl in den himmel. romani machte eine kleine bewegung zur seite und zurück, dann tauchte der streifen erneut auf und dann der atomkohl. immer wieder.

was danach folgte, war nicht zu erkennen. während die beiden noch so zusammen dastanden und hinausstarrten und romani  nicht fassen konnte, was er sah, war auf einmal ein geräusch vom balkon her zu hören. alexi riß sich aus seiner umklammerung los, sprang auf den boden und lief zur tür. das bild vom atomblumenkohl fror ein. romani ging der katze hinterher. draußen war ein vogel auf der brüstung gelandet. alexi sprang hoch, um den vogel zu fangen, der vogel flog fort und alexi saß auf dem geländer, schwankte und fiel dann zur außenseite hinunter. romani lief ans geländer, blickte hinab und sah die katze im freien fall. kurz vor dem aufschlag aufs wasser verschwand sie.

*ab hier leicht geändert, danke für die Anregung.

Ich habe dann nochmal ein paar Kleinigkeiten geändert und die Schiffe nachgetragen.

Das Zeitenfenster (vier ein sieben komma fünfteles Kapitel)

1. August 2010

Eigentlich gar kein Kapitel. Ein Intermezzo mit Doppel Zett.

4,133. Tanzeinlage

Die Tränen fielen auf die Erde. Wo sie den Boden befeuchteten, wuchsen aus den nassen Erde kleine Baumsetzlinge. Die Bäume wuchsen in den Himmel. Es wurden immer mehr Bäume, da die Tränen nicht aufhörten zu regnen. Sturzbäche liefen durch Wälder.  Dann erstarb das Leben. Es verdorrte, als aus Wasser Feuer wurde. Von den Bäumen fiel brennende Frucht. Wo sie hinfiel, wuchs nichts mehr.

Addendum:

Da dieses eine multikulti Zeitreisegeschichte im interaktiven Multimedia-Internet ist, gibt es Einschübe aus der Jetzt-Zeit. Das sind nicht immer nur Texte. Aber diesmal noch: Ein vorgefundener Brief:

Hallo Manni let the world go around
ich finde das, was du da schreibst, zwar nicht beleidigend oder verhöhnend, aber auch nicht zielführend.
Ja, die Menschheit steht vor dem Untergang, irgendwann in den nächsten Jahrzehnten wird fast jeder in Situationen kommen wie die Leute dort in Duisburg. Oder auch die neulich im ICE. Man kann nicht raus, man kann nichts tun, man wird vielleicht sogar ungewollt mitschuldig am Leid anderer, nur weil man überleben will.
Das sollte man den Leuten sagen: daß sie daran nicht persönlich schuld sind, sondern ein System, das solche Katastrophen produziert und unvermeidbar werden läßt. Und daß Ihnen solches passieren wird, egal ob sie im Moment noch feiern oder ob sie Widerstand leisten.
Die Debatte über die Schuld an der Duisburger Katastrophe sollte genutzt werden, um nach der Schuld des Kapitalismus (des Profitdenkens, des Wachstumswahns, der Entwertung der Arbeit … ) zu fragen. Die Verbindung liegt hier doch wunderbar vor aller Augen.
dein Watcha (das Fernrohr Gottes)

Das Zeitenfenster (Vierte Folge)

1. August 2010

Das vierte Kapitel läßt ein regelmäßiges Muster erscheinen, was aber täuschen könnte. Es heißt, und damit mußte man schon fast rechnen:

4. pauli

sie war nicht erstaunt, ihn hier anzutreffen. bisher waren die menschen denen sie begegnet war, alle plötzlich auf der bildfläche erschienen und genauso schnell wieder verschwunden. so wie jener händler, der eines tages mit seinem segelboot unten angelegt hatte, der ihr einige brauchbare werkzeuge, schnüre und essbares dagelassen hatte, und mit dem sie einige kurze heftige zärtlichkeiten ausgetauscht hatte. bald danach hatte sie einen dicken bauch bekommen und dann ihren sohn zur welt gebracht. den händler hatte sie nie wieder gesehen.

der alte hob zum gruß die hand, lächelte freundlich und sagte etwas, das mali nicht verstand.
„sei gegrüßt, hüter der wohnung“, antwortete sie.

er schien damit zufrieden, er nickte und wies ihr mit einer armbewegung den weg ins zimmer. und jetzt staunte mali doch. der raum war vollgestopft mit einer unzahl von dingen. an allen wänden erhoben sich holzgerüste, in denen auf waagerechten brettern blechdosen, bücher, technische geräte, große und kleine fenster, bunter bilder, und lauter für die junge frau völlig fremde gegenstände standen. mali wurde schwindelig, sie wußte nicht, wohin sie zuerst blicken sollte, ihre suchenden augen fanden nichts, was ihr vertraut und freundlich erschien. auch im nebenraum mit dem wasserbecken stapelten sich schachteln und gerätschaften aus unbekanntem material, und immer wieder bücher. den einzigen ruhepunkt bildete das fenster, hinter dem sie die gewohnte aussicht wahrnahm, mit dem meer bis zum horizont und den beiden steinruinen, die sich rechts und links aus dem wasser hoben.

der alte hatte die eingangstür wieder geschlossen und sich auf ein möbelstück gesetzt, das aussah wie ein stuhl, auf dem er aber hin und her rollen und sich im kreis drehen konnte. er hatte einen anzug aus dünnem rotem stoff an. mali war nackt, wie immer, aber das war nichts, worüber sie sich gedanken machte. da sie keine andere sitzgelegenheit entdeckte, setzte sie sich auf den boden, der von einem weichen, buntgemusterten stoff bedeckt war.

der mann blickte sie an und fing an, zu ihr zu reden, lange, ernste sätze in einer fremden sprache. sie hatte das gefühl, er würde ihr sagen, daß er mit ihr sprechen wolle, aber sie ihn ja leider nicht verstehen könne, und er deshalb etwas ratlos wäre. er lachte.

mali fühlte sich trotz ihrer verwirrung wohl bei diesem seltsamen kerl. ihr fiel ein, daß sie sich noch gar nicht vorgestellt hatten. sie stand wieder auf, legte die handflächen zu einem trichter zusammen, der auf ihr herz zeigte.

„ich bin mali“
„üch bön paul“, antwortete er und sie gaben sich die hände und lachten beide.

malis augen wanderten wieder über die wände voller fremder dinge. pauli griff nach einem hölzernen rohr, das oben auf einer blechdose gelegen hatte und führte es an seine lippen. mit den fingern hielt er einige löcher in dem rohr zu, und dann kamen dort plötzlich töne heraus, die sich änderten, wenn er die finger bewegte. er spielte eine einfache melodie und mali sang sie nach, dann sang sie ein lied und er spielte es nach, und auf einmal hatten sie so etwas wie eine gemeinsame sprache gefunden.

später nahm pauli einen kleinen grauen kasten in die hand, der auf einem möbelstück vor dem fenster gelegen hatte. er wies mali auf einen roten knopf hin, dann zeigte er auf eine der gläsernen scheiben in dem großen regal und drückte auf den knopf. das glas war vorher schwarz-spiegelnd gewesen und wurde jetzt plötzlich hell. pauli drückte auf einen anderen knopf und ein bild erschien. mali sah eine frau in einem großen raum voller technischer geräte, die frau wurde immer größer, dann fing sie offenbar an zu sprechen, was aber nicht zu hören war. pauli gab mali den grauen kasten in die hand und wies sie auf zwei weitere tasten hin. als mali darauf drückte, hielt die frau auf dem bildschirm mitten im wort inne und das bild blieb stehen. ein weiterer druck, und sie redete weiter. jetzt kamen ganz andere bilder, eine steinerne wand und eine menge von menschen, von denen nur die köpfe zu sehen waren. sie wogten hin und her, wie wellen auf dem wasser. mali war irritiert, weil sich die blickrichtungen ständig änderten, als würde sie hin und her hüpfen. und dann war der gleiche ort zu sehen wie eben, aber die menschenmenge war fort und am boden lagen leblose körper, zwischen denen einige männer in schwarzen anzügen herumliefen.

Mali drückte wieder auf den knopf zum anhalten und das bild fror ein. pauli nahm den schaltkasten, drückte rasch einige tasten, und das bild vergrößerte sich. mali sah jetzt, daß rund um die toten körper blut den boden bedeckte. sie wandte sich von dem bild ab und sah den alten mann fragend an.
„warum?“
pauli ließ den film weiterlaufen, hielt ihn dann wieder an und wies mali auf ein schild hin, auf dem ein einzelnes wort geschrieben stand. er zeigte darauf und sagte ebenfalls, jetzt in ihrer sprache:
„warum.“

mali fing an zu weinen.